Wer schneller werden will, beim Laufen, Radfahren oder Schwimmen, kommt um anaerobes Training nicht herum. Die Herzfrequenzzonen 4 und 5 bilden dabei die intensivste Trainingsebene. Hier trainierst du gezielt deine Tempohärte, deine Laktattoleranz und deine Fähigkeit, unter Belastung Energie effizient bereitzustellen.
Was ist anaerobes Training?
Anaerobes Training bezeichnet intensive Belastungen, bei denen der Körper Energie nicht mehr ausreichend über die Sauerstoffverwertung (aerob) bereitstellen kann. Stattdessen gewinnt er Energie verstärkt aus Kohlenhydraten – schneller, aber mit einer erhöhten Laktatproduktion als Nebenprodukt.
Das Ergebnis: Die Muskulatur wird schwerer, die Atmung intensiver, und Erschöpfung setzt früher ein als beim aeroben Training.
Warum anaerobes Training trotzdem unverzichtbar ist:
- Du trainierst deine Mitochondrien (die Energiezentralen deiner Muskelzellen) auf höchste Effizienz
- Du steigerst die Toleranz gegenüber Laktat und kannst höhere Intensitäten länger halten
- Du verbesserst deine Wettkampfzeiten – bei Distanzen von 5 km bis Halbmarathon ist anaerobe Kapazität entscheidend
- Du optimierst die Energiegewinnung aus Kohlenhydraten unter Belastung
Wichtig: Anaerobes Training entfaltet seinen vollen Nutzen nur auf einem stabilen Grundlagenausdauer-Fundament. Mindestens 80 % deines wöchentlichen Trainingsumfangs sollten im aeroben Bereich (Herzfrequenzzone 1–3) stattfinden.
Herzfrequenz als Trainingssteuerung
Wenn du dich ausschließlich an deiner Geschwindigkeit orientierst, riskierst du, dich systematisch zu über- oder unterfordern. Faktoren wie Tagesform, Hitze, Schlafmangel oder Stress beeinflussen deine Leistungsfähigkeit täglich.
Die Herzfrequenz zeigt dir, wie sehr dein Körper tatsächlich belastet ist – unabhängig von äußeren Bedingungen. In Kombination mit der Geschwindigkeit liefert sie die präziseste Grundlage für gezielte Trainingssteuerung.
Polar Sportuhren zeigen deine Herzfrequenz in fünf Zonen an. Für anaerobes Training sind Zone 4 (Orange) und Zone 5 (Rot) relevant.
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Zone 4 – Orange: Tempohärte und Geschwindigkeitsausdauer
Intensität: 80–90 % der maximalen Herzfrequenz
Zone 4 markiert den Übergang in den überwiegend anaeroben Bereich. Die aerobe Energiebereitstellung allein reicht nicht mehr aus – der Körper zieht zunehmend Energie aus Kohlenhydraten, die Laktatproduktion steigt messbar an.
Was du in Zone 4 trainierst:
- Tempohärte: die Fähigkeit, ein hohes Tempo über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten
- Geschwindigkeitsausdauer: effiziente Kohlenhydratverwertung unter Belastung
- Laktattoleranz: dein Körper lernt, mit erhöhten Laktatwerten umzugehen
Typische Merkmale beim Training in Zone 4: Die Atmung ist tief und angestrengt. Eine Unterhaltung ist kaum noch möglich. Die Beine beginnen, spürbar schwerer zu werden.
Geeignete Trainingsformen:
- Tempodauerläufe (20–40 Minuten konstant in Zone 4)
- Intensives Ausdauerradfahren oder Schwimmen
- Rudern
- Zirkeltraining
- HIIT-Training
- CrossFit
- Belastungsspitzen im Krafttraining
- Wettkämpfe über 10 km bis Halbmarathon (je nach Leistungsniveau und Wettkampfdauer)
Häufiger Fehler: Viele Ausdauersportlerinnen und -sportler trainieren unbewusst zu oft in Zone 4 – weil es sich „intensiv genug“ anfühlt, ohne die maximale Erschöpfung von Zone 5 auszulösen. Langfristig führt das zu Leistungsplateaus und Ermüdungserscheinungen. Zone 4 sollte gezielt eingesetzt werden, nicht als Standardintensität.
Zone 5 – Rot: Maximale Leistungsfähigkeit
Intensität: 90–100 % der maximalen Herzfrequenz
Zone 5 ist die intensivste Trainingszone. Die Energieversorgung erfolgt hier fast ausschließlich anaerob – die Sauerstoffzufuhr kann den Bedarf der arbeitenden Muskulatur nicht mehr decken. Stoffwechselprodukte akkumulieren schnell, der pH-Wert der Muskulatur sinkt, das charakteristische Brennen in den Muskeln und das rasche Einsetzen von Erschöpfung sind die Folge.
Trainingseinheiten in Zone 5 sind kurz – typischerweise 20 Sekunden bis wenige Minuten pro Intervall – und sehr fordernd.
Was du in Zone 5 trainierst:
- Maximale anaerobe Leistungsfähigkeit (VO2max-Entwicklung)
- Kurze, explosive Leistungsspitzen – relevant für Sprints, Anstiege und Schlussspurts
- Neuronale Rekrutierung: dein Nervensystem lernt, mehr Muskelfasern gleichzeitig zu aktivieren
Geeignete Trainingsformen:
- Intervalltraining beim Laufen (z. B. 6 × 400 m mit vollständiger Erholungspause)
- HIIT (High-Intensity Interval Training)
- CrossFit
- Wettkämpfe bis 10 km (vor allem bei kurzen, intensiven Belastungen mit maximaler Ausbelastung)
Frequenz: Maximal 2–3 Einheiten pro Woche. Zwischen zwei Zone-5-Einheiten braucht der Körper mindestens 48 Stunden Regeneration.
Wann greift welche Zone? – Schnelle Übersicht
| Zone | Farbe auf der Polar Uhr | HF-Bereich | Fokus | Häufigkeit |
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| Zone 4 | Orange | 80–90 % HFmax | Tempohärte, Laktattoleranz | 1–2× pro Woche |
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| Zone 5 | Rot | 90–100 % HFmax | Maximale Leistung, VO2max | Max. 2–3× pro Woche |
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Ein aktueller Blick auf Laktat: Energieträger statt Abfallprodukt
Laktat gilt nicht mehr als schädliches Abfallprodukt oder Hauptverursacher von Muskelkater. Stattdessen wird es heute als wertvoller Energieträger, Stoffwechselzwischenprodukt und Signalmolekül verstanden. Über das sogenannte „Lactate Shuttling“ wird Laktat zwischen Zellen, Muskeln und Organen transportiert; unter Belastung können unter anderem andere Muskeln, das Herz und auch das Gehirn Laktat als effiziente Energiequelle nutzen.
Das typische Muskelbrennen entsteht nicht durch Laktat selbst, sondern vor allem durch die mit intensiver Energiebereitstellung verbundenen Veränderungen im Zellmilieu – etwa die Anhäufung von Wasserstoff-Ionen, Verschiebungen im Ionenhaushalt und Veränderungen der Kalziumregulation in der Muskelzelle. Intensives Training verbessert daher unter anderem die Fähigkeit des Körpers, Laktat zu produzieren, zu transportieren und rasch wieder als Energiequelle zu nutzen.
Fazit: Anaerobes Training als gezieltes Werkzeug
Die Herzfrequenzzonen 4 und 5 sind keine Trainingsformen für den Alltag – sie sind Präzisionswerkzeuge für gezielten Leistungsaufbau. Wer sie richtig einsetzt, wird widerstandsfähiger gegenüber hohen Belastungen, verbessert die Energiebereitstellung unter Druck und wird langfristig schneller.
Drei Voraussetzungen für erfolgreiches anaerobes Training:
- Solide Grundlagenausdauer: Zone 1–3 muss vor Zone 4–5 stehen. Ohne aerobes Fundament verpufft die anaerobe Arbeit.
- Herzfrequenzkontrolle: Mit einer Sportuhr oder einem Herzfrequenzsensor weißt du, ob du wirklich in der richtigen Zone trainierst – und nicht versehentlich dauerhaft in Zone 4 festhängst.
- Ausreichend Regeneration: Anaerobes Training ist Reiz, keine Routine. Der Fortschritt entsteht in der Erholung.
Polar Sportuhren zeigen dir deine Herzfrequenzzonen in Echtzeit und werten sie nach dem Training aus – damit jede intensive Einheit gezielt zu deinem nächsten persönlichen Rekord beiträgt.
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