Claro Brazil Ride, 14.11.-19.11.2010

Monday, November 22, 2010 Die Anreise am 10.11 nach Salvador, Bahia, BRA über Lissabon verlief reibungslos, die Gastgeber aus Brasilien, das Orga-Team um Mario Roma, hatten alles bestens vorbereitet. Um Mitternacht erreichten wir das Hotel Spotlight in Salvador. Am nächsten Tag ging es auf eine City-Rundfahrt mit dem Bus, Gruppenfoto am Leuchtturm, Gruppenfoto vor einer Kirche, Pressekonferenz und Mittagessen in einem wunderbaren Restaurant am Strand, zu Abschluss ein Spaziergang durch die Altstadt von Salvador.


Freitag früh um 8:00 Uhr ging die Reise weiter nach Mucugê, eine nette Kleinstadt in den Bergen der Chapada Diamentina gelegen. Nach 12 Stunden Busfahrt für ca. 500 km mit einem Mittagessen zwischendurch, erreichten wir das Race-Village und bezogen erst einmal unsere Zelte. Danach gab es zum Empfang ein feines Abendessen im Ortskern.

Der Samstag galt unseren Bikes, bei der Registrierung lernte ich dann meine Partnerin Celina Carpenteiro kennen. Zum genaueren Kennenlernen starteten wir kurzerhand die Prologstrecke, alles Bestens, kurze Absprachen für den Rennverlauf trafen auf Einigkeit, wir waren super miteinander zufrieden. Später gab es noch eine gemeinsame Radtour zu einem Wasserfall mit großen Bassins. Nach einem heftig technischen Weg dorthin, 45 min Fahrzeit, dauerte es kaum 2 Minuten bis die gesamte Truppe zum Schwimmen ins Wasser gesprungen war. Bei Dämmerung erreichten wir das Race-Village und freuten uns über ein feines brasilianisches Abendessen. Letzte Vorbereitungen für den Prolog verliefen reibungsfrei.

Und schon war es Sonntag, das Rennen ist gestartet: 12:05 Uhr gingen Celina und ich in das Zeitfahren über 12,5 km. Nach knapp 42 Minuten erreichten wir überglücklich das Ziel - erste Teamprobe bestanden und morgen dürfen wir im Leader-Jersey auf die 2. Etappe nach Rio de Contas an den Start gehen! Wir sind gespannt, ob wir unsere Leader-Position verteidigen können.



15.11.2010, 139 km mit 3372 hm von Mucugê nach Rio de Contas:

Die Königsetappe ist geschafft, fraglich nur, ob wir wirklich immer auf der richtigen Strecke unterwegs waren, denn am Ende standen unsere Bike-Computer auf 147 km mit knapp 4000 hm - da hatten wir uns wohlmöglich in einem Regenwaldtrail verfahren und einen Berg zu viel erklommen - konnten wir doch über 10 km keine Streckenmarkierung mehr vorfinden. Jedenfalls fanden wir dann wieder Markierungen und erreichten nach 3 Plattfüßen an Celinas Vorderrad und dem Verlust sämtlicher Gelflaschen und Riegel auf den anspruchsvollen Downhills als erstes Frauenteam nach 8:23 h völlig erschöpft, aber glücklich das Ziel in Rio de Contas. Tropisch warme Regengüsse begleiteten uns die gesamte Etappe, so hatten unsere Bikes heftig zu leiden, 5 x ölten wir unsere Ketten nach, doch gegen zu viel Sand und Wasser ist kein Öl gewachsen, die letzten Downhills gingen unfreiwillig schnell hinunter, Celina musste sogar einmal in einem Gestrüpp bremsen, denn auch unsere Bremsbeläge waren erledigt. Wir trugen es mit Spaß und Fassung. Ich war völlig begeistert, wie Celina meinem Hinterrad in den schwierigen Passagen vertraute und ihre ersten Sprünge nach Kommando über Hindernisse im Gelände wagte und am Ende vor lauter Begeisterung fast über jeden Stein hüpfte! Das Leader-Trikot ist für heute jedenfalls gesichert.



16.11.2010, 3. Etappe über 85 km mit 1746 hm von und nach Rio de Contas über Rio de Caixa:

Und der Regen hört einfach nicht auf - Dauergetröpfel wechselt mit heftigen tropischen Regengüssen, zwischendurch intensivste Sonnenstrahlen trotz Regen - es wird nichts mehr trocken. Der einzige Vorteil besteht darin, dass der Regen nie Kälter als 22° C wird! So sieht es in Rio de Contas aus, seit wir hier sind. Zum Glück durften wir heute dieses Tal verlassen und nach Rio de Caixa fahren, dort war das Wetter traumhaft schön ohne Regen mit wunderbarer Aussicht auf die umliegenden Berge. Zum Start machte der Regen sogar ein paar Minuten Pause, dafür gab es auf den letzten 15 km die dreifache Ladung an Wasser von oben. Celina und ich setzten uns gleich am ersten Berg in Führung der Frauenkonkurrenz, fuhren einen sicheren Vorsprung heraus und konnten uns die restlichen 60 km gut einteilen und die herrlichen Trails genießen. Somit gelang uns ein erneuter Etappensieg mit knapp 5 Minuten Vorsprung auf unsere brasilianischen Verfolgerinnen.



17.11.2010, 4. Etappe über 95 km mit 1750 hm wieder von und nach Rio de Contas über Santa Rosa:

Es ist beachtlich, mit welcher Gelassenheit hier mit dem Dauerregen umgegangen wird, das Orga-Team ist unermüdlich und lässt sich vom Regen nicht aus Ruhe bringen, alle nassen Probleme werden mit viel Fantasie gelöst. Die Zelte halten erstaunlich gut dicht - nur ein paar Tropfen schaffen es bis in die Schlafsäcke. Das Shimano-Team leistet unermüdliche Arbeit die ganze Nacht durch, bis alle Bikes nach diesen Sand-Schlammschlachten wieder fit sind.

Und heute war Celina besonders fit, den ersten Berg flogen wir nur so hinauf. Über die Kuppe im Nachbartal fanden wir dann auch die herrliche brasilianische Hitze und Sonne, mir ging es prima. Wunderbare Trails erwarteten uns, ganz nach meinem Geschmack. Für uns lief es reibungslos. So konnten wir auch diese Etappe für uns entscheiden! Zurück im Ziel erwartete uns eine kurze Regenpause, da konnten die Klamotten wenigstens ein wenig trocknen bevor der heftige Regen wieder einsetzte.



18.11.2010, 5. Etappe über 135 km mit 1716 hm, von Rio de Contas zurück nach Mucugê:

Das sollte eine Zerreißprobe für uns werden. Wir waren beide etwas müde - und dann auch noch Fahren auf vorwiegend breiten Sandpisten ohne beachtliche Anstiege die ersten 80 km. Wir kämpften uns den Startberg hinauf, befanden uns in einer guten Gruppe als es passierte, Celinas Lenker hatte sich in einer Bodenwelle heftige verdreht, sie flog im hohen Bogen ins Gestrüpp, ihr war nichts passiert, doch leider konnten wir ihre Trinkflaschen und Rennverpflegung nicht wieder finden - die nächste Verpflegung kam erst nach 48 km! Das sollte hart werden, wir mussten uns meine Verpflegung gut einteilen und dabei unsere Konkurrenz wieder einholen, was nach 25 km gelang. Fast völlig leer erreichten wir die erste Verpflegung, doch es gab keine Ersatzflaschen für Celina, also so viel wie möglich trinken und uns darauf einstellen, dass die nächsten 36 km bei großer Hitze mit nur 2 Flaschen für uns beide sehr heftig sein werden. Ich war nach 8 km sehr froh, als wir das Mixed-Team Karen und Paul einholen konnten, Karen war sehr müde, doch Paul hatte sogar 3 Wasserflaschen bei sich - das war unsere Rettung. Als Dank dafür fuhr ich 50 km bis zum nächsten 10 km langen Anstieg alleine im Wind, so konnte Paul sich besser um Karen kümmern. Das Gewitter hörten wir schon von Weitem - so wusste ich, was uns noch erwartete. Oben auf dem Berg sahen wir nur eine schwarze Wand vor uns, kurz darauf schmerzhafter Hagel, endlose Sandpiste und Gegensturm - viel Spaß dabei, dann mal los! Überglücklich und erschöpft erreichten wir mit einem erneuten Etappensieg das Ziel und Mucugê - eine kurze Regenpause ermöglichte das Wäsche-Antrocknen.



19.11.2010, 6. Etappe, 98,5 km und nur 980 hm, Straßenrennen auf holprigen Sandpisten:

Für die kurze Regenpause am Vortag wurde wir heute mit Überschwemmung im Zeltdorf und Dauerguss bestraft. Also los ins nasse Vergnügen. Wir mussten nach 20 km feststellen, dass man vergessen hatte, uns mitzuteilen, doch noch Schlauchboot, Tauchausrüstung mit Schnorchel und Flossen zu besorgen! Die Flüsse und Seen auf der Rennstrecke waren oftmals tiefer als Reifenhöhe und länger als 600 m, so schwammen wir die ersten 50 km dahin ,bis es auf Holperpiste ein wenig trockener bei Dauerregen zuging, als der Regen nachließ, kam der Gegenwind wieder auf. Wir kämpften tapfer weiter, das war gar nicht unsere Spezialität, so warteten wir nur, bis unsere brasilianische Frauenkonkurrenz in einer Männergruppe von hinten angerauscht kam - wir hofften auf ein wenig Windschatten - doch nix war es - kaum hatten sie uns, hörte die gesamte Gruppe auf zu pedalieren. So rollten wir in Schneckentempo dahin, mir wurde immer kälter, bis mir der Kragen platzte und ich vor lauter Ärger und Kälte einfach wieder im Wind voraus fuhr, so ging es die letzten 30 km bis kurz vor das Ziel. Dann wurde nur noch taktiert, ich hörte wie die Brasilianerinnen mit den Männern Pläne schmiedeten, Celina warnte mich. Schön, den Etappensieg hätten wir gerne an unsere Konkurrenz abgegeben - doch nach diesem gemeinen Verhalten wollten wir es noch einmal wissen. Celina und ich waren prima aufeinander eingestellt und taktierten wortlos auf den letzten 1000 m um einiges besser und holten einen knappen Sprintsieg, den hatten wir uns heute hart verdient!

Im Ziel angekommen hörte der Regen endlich auf, schnell noch Bericht fertig schreiben - auf die Party bei Sonnenschein freuen wir uns schon!



Fotos: Gabriel Barbosa, Alexandre Cappi