Etwas über Etappenrennen

Wednesday, September 7, 2011

Wissenswertes über Etappenrennen oder „wer mehr will, als nur einen Tag auf dem Bike"



Dass mir Mehrtages-Rennen einfach liegen erfuhr ich schon 2003 beim Afxentia Stage Race in Zypern und bei der O-Tour in der Schweiz. Die Spannung verteilt sich über mehrere Tage, ich komme regelrecht in meinen Race-Rhythmus und lasse mich davon tragen, das gefiel mir schon bei den ersten Versuchen. Und dass über derart lange Distanzen das Fahren über Pulswertkontrolle, kombiniert mit einem Radcomputer unverzichtbar ist, war schnell klar. Schon damals begleitete mich mein Polar-Radcomputer auf jeden Einsatz. Besonders bei Einsätzen im Zweierteam ist es sehr wichtig, dass beide Fahrer um gemeinsam maximale Leistung zu erzielen, anhand ihrer Pulswerte aufeinander Rücksicht nehmen, bzw. sich helfen.

Das „Cape Epic" ist das bekannteste Mehr-Etappenrennen im herrlichen Sonnenschein Südafrikas und mit 8 Renntagen auch das Längste in dieser Liste, was auch eine größere Herausforderung bedeutet. Dieses Rennen lohnt sich, mindestens einmal gefahren zu werden, die tollen Landschaften zu bewundern, die große Hitze zu spüren und das Zusammensein mit 1000 anderen Fahrern im Zeltdorf zu erleben. Es ist aber nicht das einzige interessante Etappen-Rennen dieser Art:

Ich kann wirklich nicht sagen, welches das Beste sein könnte, „Rally Di Romagna", "Beskidy Trophy" oder „Sudety Challenge", diese brachten mir jedenfalls den größten Fahrspaß. Sie sind für deutsche Verhältnisse unglaublich schwer zu fahren, steilste Anstiege, sehr schnelle und technische Abfahrten auf engen Trails, Wurzelpassagen, Felsen und losem Geröll, teils mehr als 3000hm täglich zu klettern bei weniger als 90km Tagesstrecke. Man hat dort weit härterer Einzelpassagen zu bewältigen als auf dem Cape Epic möglich, welches dafür mit deutlich längeren Etappen, teils mehr als 120km am Tag und unglaublich schönen Weitblicken in die Landschaft aufwarten kann!

Technischer als diese war lediglich das „Breck Epic" in Breckenridge, Colorado / USA. Aber dieses findet im Hochgebirge statt, 6 Tage lang der reinste Fahrspaß bei tollen Trails auf der Höhe der Rocky Mountains - es war einfach wunderbar. Doch für dieses Rennen müssen mindesten 10 Tage Urlaub vorher eingeplant werden, damit man sich an die Höhe über 2800m ü Null gewöhnen kann! Dafür sorgt der Veranstalter für eine absolut entspannte Renn-Atmosphäre.

Nach all dem: Nicht "Hike your Bike" aber "Schwimm-Dein-Rad" in Brasilien war eine der besten Veranstaltungen, die ich jemals gewinnen durfte! Der "Claro Brazil Ride" bietet einfach alles, was das Bikerherz begehrt, vom schnellen Schotterpisten-Rennen, langen, einfachen Anstiegen bis zu heftigen, anspruchsvollen Steilanstiegen, tollen Landschaften, schnellen Abfahrten und sehr technischen Trails, auch ein wenig „Hike-your-Bike" und bei starkem tropischem Regen eben auch „Schwimm-Dein-Rad". Hier stimmte einfach die gute Mischung von allem. Es war ein großartiges Erlebnis, dieses Rennen zu gewinnen und während dem Rennen mit meiner Partnerin auch eine wunderbare Freundin in Celina Carpenteiro aus Portugal gewonnen zu haben!

Auch das "Andalusia Bike Race" bietet ein herrliches Gelände für ein Etappenrennen. 6 sehr lange und harte Renntage erwarten die Teilnehmer. Die Anstiege sind meist auf Schotterpisten und fahrbar, es gibt viele anspruchsvolle, jedoch gut befahrbare Trails aber auch sehr schwierige und teils gefährliche Passagen, aufgepasst vor sehr steilen Abfahrten auf engsten Bergtrails oder rutschigen Sandpisten. Hier ist es auch für geübte Fahrer manchmal doch von Vorteil, abzusteigen und runter zu klettern, vor allem da man den Ausgang des Trails nicht einsehen kann. Es ist empfehlenswert, sich dieses Biker-Gelände doch vor dem geplanten Start an diesem Etappenrennen mal näher anzuschauen und dort zu trainieren.

Das genaue Gegenteil von Spanien ist Deutschland, auf der „Trans Schwarzwald" wird vorwiegend Waldautobahn befahren, hier kommt es auf eine sauber Linie in den zahlreichen Schotterkurven an und jede Menge Druck in den Beinen. Dieses Rennen ist für jedermann machbar. Auf den wenigen Trails ist man laufenderweise fast genauso schnell wie fahrend. Der landschaftliche Reiz der Strecke steigert sich von Tag zu Tag je mehr man vom Norden in den südlichen Hochschwarzwald kommt.



Diese Rennen fuhr ich innerhalb der Jahre



2003-2009:

1.Platz Solo, Afxentia Stage Race 2003 / CYP, 3 Tage

2.Platz Solo, O-Tour 2003 / SUI, 3 Tage (jetzt nur noch als Eintages-Marathon)

2.Platz Solo, Afxentia Stage Race 2004 / CYP, (Sunshine Cup) 3 Tage

2.Platz, Mixed Team (Nico Pfitzenmaier, GER), Cape Epic 2007 / RSA, 8 Tage / RSA

2.Platz, Frauen Team (Katrin Schwing, GER), Trans Schwarzwald 2007 / GER, 7 Tage

1.Platz Mixed Team (Nico Pfitzenmaier, GER), Cape Epic 2008 / RSA, 8 Tage

4.Platz Mixed Team (Lukas Kubis, GER), Cape Epic 2009 / RSA, 8 Tage





2010:

2.Platz Frauen Team (Hannele Steyn, RSA), Cape Epic / RSA, 8 Tage

3.Platz Solo, Breck Epic / USA / CO, 6 Tage

1.Platz Frauen Team (Celina Carpenteiro, POR), Claro Brazil Ride / BRA, 6 Tage



2011:

4.Platz Frauen Team (Celina Carpenteiro, POR), Andalusia Bike Race / ESP, 6 Tage

3.Platz Mixed Team (Peter Vesel, SLO), Cape Epic / RSA, 8 Tage

1. Platz Solo, Rally Di Romagna / ITA, 6 Tage

1.Platz Solo, Beskidy Trophy / POL, 4 Tage

1.Platz Frauen Team (Celina Carpenteiro, POR), Sudety Challenge / POL, 6 Tage 



Ivonne Kraft