Mit Polar auf dem Makalu

Friday, July 2, 2010


Josef Lunger ist Bergsteiger aus Passion. Diese Passion teilt er zwischen seinem Job als angehender Chirurg an der Sportklinik Stuttgart und seiner Lebensgefährtin auf. Nach der Expedition am Nanga Parbat 2008, wurde es für Lunger an der Zeit, seinem Fernweh nachzukommen.



Schnell entstand mit Freunden die Idee, eine Expedition am Makalu durchzuführen. „Neben der schönen Form ist der Makalu nämlich zum einem kein überlaufener Berg, einer aus der Kategorie der hohen  8.000er und außerdem hat er einen unglaublich schönen Westgrat. Der Plan war auch nach der ersten Besteigung zu zweit den bisher selten begangenen Westgrat zu besteigen, ähnlich der Aktion am Nanga Parbat 2008“, so Josef Lunger.





Doch nicht umsonst ist Lunger Mediziner. Wie schon 2008 bei der Besteigung des Nanga Parbats sollten Aufzeichnungen mit dem RS800CX in der Höhe valide Erkenntnisse bringen. Denn eines der grundsätzlichen Dinge beim Höhentrekking oder bei Expeditionen ist, dass der Mensch sich nicht zu arg belasten darf. Durch einen erhöhten pulmonalen Druck kann es zu einem Höhenlungenödem kommen. Trotzdem muss der Bergsteiger  natürlich auch eine gewisse Leistung geben, um sein Ziel zu erreichen. Die Balance zwischen vertretbarer körperlicher Beanspruchung und Überbelastung ist oft ein schmaler Grat, auf dem sich Expeditionsteilnehmer bewegen.



Es ist nicht selten, dass Hochleistungssportler, die vor Kraft und Ausdauer  strotzen, in der Höhe sehr schlecht performieren, da sie einfach ihre gewohnte Belastung in die Höhe übertragen. Durch die Überschätzung der eigenen Belastungsgrenze kann es schnell zur Gesundheitsgefährdung kommen. Während erfahrene Höhenbergsteiger ihre Belastung gut einschätzen und steuern können, ist  insbesondere für den Trekker, der kein regelmäßiges Training absolviert und dem die Erfahrungswerte beim Bergsteigen fehlen, diese Gratfindung sehr schwierig. Die Übergänge zur Krankheit sind in der Höhe fließend und dabei nur schwer genau zu diagnostizieren.





„Die Idee war, mit der Herzfrequenz-Variabilität ein Mittel zu haben, an das sich zum einen Extremleistungssportler bei der Belastung als auch die Trekker in ihrem Belastungsbereich halten können, um der Höhenkrankheit vorzubeugen und ein objektives Maß für die körperliche Gesamtbeanspruchnug zu finden“, führt Lunger aus. „Die Messung der Sauerstoffsättigung wird derzeit meist angewandt, ist jedoch bei den Bedingungen in der Höhe mit den Faktoren Kälte, Atmung und weiteren erschwerten Bedingungen sehr unzuverlässig“.





Aktueller Stand der Wissenschaft negiert eine Akklimatisation über 6.500 Meter Höhe. „Die damit verbundene besondere  Frage stellt sich also zwangsläufig, ob eine Höhenexposition selbst in 8.000 Meter Höhe nach einer kurzen Regenerationszeit auch eine Verbesserung der Performance in der Höhe zu Folge hat, wie es Speedbergsteiger oder sogenannte Skyrunner praktizieren“, führt Lunger weiter aus.



Nach den Aufzeichnungen der Herzfrequenz-Varibilität mit dem RS800CX am Nanga Parbat sollte mit der Expedition am Makalu die Datensammlung erweitert werden, um signifikante Aussagen zum Problem der Belastungsgrenze und dem Übergang zur Höhenkrankheit treffen zu können. In Kürze will Josef Lunger  die aufgezeichneten Daten der Makalu-Expedition auswerten. Geplant sind anschließend Publikationen in medizinischen wissenschaftlichen Magazinen, falls gute, relevante Ergebnisse zu finden  sind.



Abgesehen vom wissenschaftlichen Hintergrund der Makalu-Expedition sind die Tagebücher der Expeditionsteilnehmer absolut lesenswert. Die vielen Fotos vermitteln einen Eindruck der verschiedenen Phasen der Expedition und zeigen die eindrucksvolle Schönheit der Berglandschaft, vermitteln gleichzeitig aber auch Eindrücke von dem Alltag einer Expedition. Wer sich fesseln lassen möchte, dem seien die Links zur Makalu-Expedition unter www.makalu2010.de oder der Expedition zum Nanga Parbat unter www.nangaparbat2008.de empfohlen.



Fotos: Josef Lunger