RS800CX: Im Test von Christian Clerici

Monday, August 31, 2009 Christian Clerici, Journalist, Fernsehmoderator und vor allem Ironman-Finisher, bereitet sich mit dem Allrounder von POLAR, der RS800CX, auf seinen nächsten Ironman in Klagenfurt 2010 vor. Der Testbericht eines intensiven Nutzers.


Früher haben wir uns noch ein wenig gefürchtet, wenn mal wieder der Verdacht laut wurde, dass selbst der unbescholtene Normalbürger von irgendwelchen namenlosen Geheimdiensten via Satellit überwacht und ausspioniert wird. Heute gehört GPS- Technologie für den Endverbraucher, auch ohne militärischen Überlebenszwang oder Ambitionen zum Mond zu fliegen, zum Alltag und ganz egal ob man mit Hilfe satellitenbasierter Positionsbestimmung das nächste Fastfood-Restaurant ausfindig macht (was man als ernsthafter Sportler natürlich nie, NIE , tun würde), oder einen verlorenen Hund wiederfinden lässt, man weiß halt mittlerweile selbst gerne wo man steht, was in so einer konfusen Welt wie unserer manchmal gar nicht so einfach ist.



Vielleicht ist der RS800CX deshalb einer meiner liebsten Begleiter geworden, denn unabhängig von seiner unglaublichen Funktionsvielfalt sieht er auch noch so gut aus, dass man sich damit bei nahezu keiner Gelegenheit am falschen Platz fühlt, selbst wenn aus Gründen der nationalen Sicherheit wieder einmal kurzfristig das GPS abgeschaltet wurde. Ich behaupte, dass man das Gerät sogar mit reinem Gewissen in der Oper tragen kann, vorausgesetzt man ist in der glücklichen Lage das PTE Sondermodell zu besitzen, das mit seiner blitzenden Oberfläche auf den ersten Blick ohne weiteres als Preziose durchgeht.

Weil aber Polar den RS800CX und seine Sensorperipherie nicht ausschließlich für eitle Fernsehmoderatoren und Opernbesucher gebaut hat, möchte ich jetzt über seine sportlichen Qualitäten berichten, die mir als Triathlet noch viel mehr bedeuten als seine wirklich gelungene Optik.



Mit dieser Auflage der Mutter aller Herzfrequenz-Messgeräte hat Polar die Vision von der eierlegenden Wollmilchsau praktisch zur Realität gemacht. Ich rede jetzt nicht extra von der 2,4 GH Übertragungstechnik, denn die war zukunftsweisend auch schon beim Vorgänger aktiv, sondern von der Möglichkeit nahezu jede Fortbewegungsart mit eigenem Sensor bei gleichzeitiger GPS-Unterstützung aufzuzeichnen und mit dem ProTrainer 5 zu analysieren.



Das Feedback von den Füßen umfasst nicht nur Geschwindigkeit und Entfernung, es werden auch so Dinge wie Schrittlänge- und Frequenz in den Datensatz aufgenommen, was einem ernsthaften Training mitunter wertvolle Erkenntnisse über Bewegungsmuster bei unterschiedlicher Geländebeschaffenheit liefert. Auch eine Kennzahl wie der Laufindex, den sich der RS800CX aus all den Daten errechnet, liefert ihren Beitrag zu Motivation, wenn man bei gleichbleibender Strecke seine Fortschritte über einen individuellen Wert veranschaulichen kann.

In der Praxis, und ich behaupte einmal, nur dort, lässt sich der wahre Wert eines solchen Gerätes messen, nutzt einem der schlaueste Armbandcomputer nichts, wenn das Display verwirrend oder schlecht ablesbar ist. Beide Anforderungen erfüllt der RS800CX vorbildlich, von der simplen Darstellung der Herzfrequenz bis hin zu einem Autoscrollmodus, der so ziemlich alles zeigt, was einen Sportler interessieren könnte.



Ich persönlich gelte zwar in meinen Kreisen als Technikjunkie und nicht selten schon musste ich mir so kleine Sticheleien wie: wenn der Clerici verloren geht, tracen wir einfach seine Polarmenagerie, gefallen lassen, aber in Wahrheit beginnt für mich der kleinteilige Spaß bei der Auswertung und nicht im „Einsatz". Da reicht es mir die Herzfrequenz, die Trainingszeit und die Entfernung zu kennen.



Die vorhin angesprochene GPS Unterstützung über den externen G3 Empfänger macht die Sache perfekt. Zum einen stellt das Gerät die Verbindung ins Orbit ziemlich schnell her (wenn es einmal länger dauert ist, wie oben schon angedeutet, sicher wieder einmal die Achse des Bösen schuld) zum anderen hat die Kombination den Vorteil, dass man auch mal ohne den s3 Schuhsensor loslaufen kann und trotzdem nicht auf die wesentlichsten Daten verzichten muss. Der absolute Brüller für mich ist aber die Tatsache, dass man seine Trainingseinheit nachträglich auf Google Earth betrachten kann und sich so nicht merken muss, wann man, wo gelaufen oder geradelt ist. Das klingt jetzt vielleicht etwas seltsam, aber wer kennt nicht das Dilemma eines Analysefreaks, der nach ein paar Wochen den Speicher seiner Pulsuhr leert, auf den Computer überträgt und bei der Fülle der Einheiten keine Ahnung mehr hat, was, wo, geschah. Ja, für mich ist das wirklich ein Thema, denn ich bin so viel unterwegs, dass ich manchmal jeden Tag woanders laufe, oft auf völlig unbekannten Strecken und dann, viel später, habe ich einfach vergessen von wo diese Einheit stammt, bei der ich im Geiste irgendeinen Weltrekord aufgestellt habe.



Die Möglichkeit nun auch zwei Einheiten zusammenfügen zu können ist ebenfalls ein Argument für mich. An manchen Tagen, wenn ich wieder einmal ausprobiere was der Körper für lustige Sachen macht, wenn man ihn nur lange genug im anaeroben Bereich schindet, kann der vermeintliche Druck auf den Knopf für die Zwischenzeit schon mal daneben gehen und ehe sich das leicht schwindelnde Auge versieht, hat man die Einheit am RS800CX auch schon für beendet erklärt, obwohl da noch dutzende Kilometer vor einem liegen. Macht nichts, denn kaum kehrt man in den Trainingsmodus zurück, fragt einen das schlaue Gerät, ob man die Einheit mit der vorangegangenen kombinieren will. Ja, ich will.



Man möge mir verzeihen, wenn ich jetzt nicht jedes Feature im Detail erwähne, aber dafür gibt es erstens eine hervorragende Bedienungsanleitung, zweitens exzellente Testberichte von Leuten, die auch den entsprechenden technischen Sachverstand haben und drittens, halte ich es damit wie mit meinen Autotests: was sich nicht von selbst erschließt, was ich erst mühsam in einem Manual nachlesen muss, was mich einfach mehr Zeit kostet als die Sache selbst ist sehr unattraktiv. Diese Sorge muss man beim RS800CX trotz seiner komplexen Technik nicht haben, denn alles, was man braucht um loslegen zu können liegt auf der Hand, respektive am Handgelenk. Und wenn ich etwas nicht weiß, muss ich nur eine Idee haben, wo ich es nachschlagen kann. Damit sind wir wieder bei der Bedienungsanleitung, die zugegebener Massen sehr umfangreich ist. Aber das ist der RS800CX eben auch, speziell für die, die das ganze Potential dieses Wunderdings ausschöpfen möchten.

Auf meinem Gerät stehen zusätzlich zur Basisbezeichnung und abgesehen von der Tatsache, dass es ein PTE Sondermodell ist, noch die Buchstaben CX, was so viel heißt: hier ist das ganze Programm der zusätzlichen Sensorik möglich, ja gewünscht.

s3 Laufsensor. G3-GPS Sensor. Geschwindigkeits- und Trittfrequenzsensoren fürs Rad. Wohlgemerkt alles mit dem gleichen Empfänger am Handgelenk. Es besteht also keine Notwendigkeit dafür irgendetwas anders mit sich zu führen um zwischen den Sportarten zu wechseln. Ja, gut, am Rad einen Helm natürlich, aber der ist in Zusammenhang mit der Trainingsdatenaufzeichnung eher zweitrangig.



Travel light, das ist das Geheimnis dieses leistungsstarken Systems. Und wenn es einmal wirklich nur das Minimum sein soll, reicht der G3 Empfänger und der Brustgurt. Funktioniert überall auf der Welt, auf jedem Rad, mit jedem Schuh, mit jeder Laune und sogar im Rennauto, wenn man will.

Und da habe ich nebenbei bemerkt nicht schlecht gestaunt, was für Pulsfrequenzen im Rundstreckenbetrieb anfallen. Würde ich in diesen Regionen mein Ironman-Training absolvieren, hätte mein Trainer keine Freude. Umgekehrt geht es beim Rennfahren ja auch um Benzin- und nicht um Fettverbrennung.



Zusammenfassend schreibt hier ein sehr glücklicher Besitzer einer RS800CX PTE, der zwar schon seit der Zeit des mittlerweile wieder kultigen Sporttesters ein Freund der Marke ist, sich jetzt fast am Ziel seiner kühnsten Vorstellungen von einem Komplettsystem zur Leistungserfassung und -analyse angekommen fühlt. Dieses „fast" gestatte ich mir aufgrund der Tatsache, dass zum Triathlon auch noch Schwimmen gehört, selbst wenn ich dieser Disziplin die geringste Sympathie entgegen bringe. Im Wasser muss ich derzeit noch auf den S625X zurückgreifen, der mit seiner etwas altmodischeren Technik die Übertragung der Herzfrequenz auch im Wasser gestattet. Die im Übrigen bei mir meistens jenseits von Gut und Böse ist, also eher abschreckend denn motivierend wirkt.



Andererseits darf man nie vergessen, dass es immer etwas geben muss, worauf man sich freuen kann und ich bin mir ganz sicher, dass die Ingenieure von Polar da schon bald mit einer Lösung überraschen werden. Ich plädiere bei diesen Dingen sowieso immer für Geduld und habe mir vorgenommen, zuerst einmal ordentlich Schwimmen zu lernen, bis es soweit ist. Das bleibt für den sportlichen Erfolg und die innere Zufriedenheit sowieso das Wichtigste, denn Messen und Analysieren macht genau so viel Spaß, wenn die Werte schon respektabel sind.

Christian Clerici und die POLAR RS800CX beim Ironman Austria 2008 im Einsatz:



http://www.youtube.com/watch?v=hp6zOrkprMY

http://www.youtube.com/watch?v=b7zU0F_TnMg